Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden

Geschichte

Die Zuchthausanlage in Brandenburg-Görden wurde von 1927 bis 1936 geplant und gebaut. Der Komplex sollte Bedingungen für einen modernen Strafvollzug schaffen, der sich am Resozialisierungsgedanken orientiert. Gleichzeitig galt es, Fluchten zu verhindern und die Gefangenen im Inneren der Anstalt zu überwachen. Die Strafanstalt wurde am 15. Dezember 1931 in Betrieb genommen, erste Gefangene bezogen die Zellen.

Nach ihrer Machtübernahme im Januar 1933 prägten die Nationalsozialisten den Strafvollzug. Sie verschärften die Haftbedingungen und inhaftierten politische sowie „rassische“ Gegner in Brandenburg-Görden. Kriminelle erhielten längere Haftstrafen, viele wurden dauerhaft als „asozial“ verwahrt. Nach Kriegsbeginn sperrten die Nationalsozialisten Menschen aus allen besetzten Ländern Europas im Zuchthaus ein. Am Ende ihrer Strafhaft gelangten viele Inhaftierte nicht in Freiheit, sondern wurden in Konzentrations-, Zwangsarbeiter- oder Vernichtungslager überstellt.

Im Jahr 1940 richtete die NS-Justiz in einem bis dahin als Garage genutzten Bereich des Zuchthauses Brandenburg-Görden eine Hinrichtungsstätte ein. Zwischen dem 1. August 1940 und dem 20. April 1945 wurden 2.032 Menschen aus dem Deutschen Reich und vielen Ländern Europas ermordet. Die Hinrichtungsstätte im Zuchthaus Brandenburg-Görden war damit nach Berlin-Plötzensee die zweitgrößte Hinrichtungsstätte des Dritten Reiches.

Nach der Befreiung durch die Rote Armee am 27. April 1945 nutzte die sowjetische Besatzungsmacht das Zuchthaus als Lazarett für gefangene Wehrmachtsoldaten und später als Gefängnis des Repatriierungslagers Nr. 226.

Ab 1949 belegte die Deutsche Justizverwaltung die Gebäude wieder mit Gefangenen. Im Jahr 1950 wechselte die Zuständigkeit für die Anstalt zum DDR-Innenministerium. Bis 1989 waren in dem Gefängnis neben kriminellen Straftätern politisch Verfolgte inhaftiert. Insbesondere in den Jahren bis 1956 gehörten auch NS- und Kriegsverbrecher zu den Insassen.

Seit der Wiedervereinigung ist die Anlage Justizvollzugsanstalt (JVA) des Landes Brandenburg mit heute etwa 350 Haftplätzen für männliche Straftäter. In der JVA sind sowohl Untersuchungsgefangene als auch Verurteilte mit Haftstrafen unterschiedlicher Länge sowie Sicherungsverwahrte untergebracht.

Bereits 1946 fand an der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte eine Gedenkfeier für die Opfer der NS-Justiz statt. Im Jahr darauf wurde ein Mahnmal auf dem Marienberg in Brandenburg an der Havel zum Gedenken an die Hinrichteten eingeweiht. Sowohl der Hinrichtungsraum als auch die Anlage auf dem Marienberg etablierten sich als Gedenkorte, die bis heute immer wieder Veränderungen und Erweiterungen erfuhren.