Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden

1946-2018 Geschichte der Gedenkstätte

Eine Gedenkkultur zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im Zuchthaus Brandenburg-Görden bildete sich bereits im Jahr 1946 heraus. Anläßlich des 1. Jahrestages der Befreiung des Zuchthauses trafen sich etwa 300 ehemalige politischen Gefangenen und Angehörige von Hinrichtungsopfern. Sie gedachten der Toten an der früheren Hinrichtungsstätte des Zuchthauses sowie auf dem Friedhof am Marienberg, wo die sterblichen Überreste vieler Hingerichteten eingeäschert und beigesetzt worden waren. 1947 wurde an diesm Ort ein Denkmal eingeweiht.

Im Jahr 1949 richtete der ehemalige Häftling des Zuchthauses Walter Hammer eine Gedenkstätte in der früheren Hinrichtungsgarage ein: Er rekonstruierte sie möglichst originalgetreu und sorgte für die Präsentation einer Guillotine. 1950 floh er in den Westen, da er seine Verhaftung befürchtete. Er hatte den Kommunisten bei der Darstellung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus keine herausragende Stellung einräumen wollen, was einflussreiche SED-Funktionäre kritisierten.

Anlässlich des 30. Jahrestages der Befreiung des Zuchthauses durch die Rote Armee im April 1975 wurde der Gedenkort an der ehemaligen Hinrichtungsstätte aus- und umgebaut. Hintergrund war offenbar die Tatsache, dass Erich Honecker als ehemaliger Häftling des Zuchthauses Brandenburg-Görden (1937-1945) seit 1971 Erster Sekretär des SED-Zentralkomitees und damit mächtigster Politker der DDR war. Das Ehrenmal auf dem Marienberg wurde zu einem Platz für Massenkundgebungen ausgebaut. Zu den runden Jahrestagen fanden dort Gedenkfeiern mit bis zu 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.

Am 1. Januar 1988 gründete die DDR-Regierung die „Nationale Mahn- und Gedenkstätte Brandenburg“ (NMG) und plante ein „Museum des antifaschistischen Widerstandskampfes“ auf dem Marienberg. Als wichtigste Botschaft sollte den Besucher*innen vermittelt werden, dass die DDR die Verwirklichung der Ziele der Widerstandskämpfer wäre. Die Eröffnung des Hauses mit einer Ausstellungsfläche von 2.000 m² war für den 45. Jahrestag der Befreiung im Jahr 1990 vorgesehen. 

Nach der Wiedervereinigung plädierte die Expertenkommission „Gedenkstätten“ des Landes Brandenburg im Oktober 1991 dafür, lediglich die Gedenkräume im ehemaligen Zuchthaus zu erhalten. Im Jahr 1993 wurde die NMG Brandenburg abgewickelt und mit nur einer Mitarbeiterstelle in die neu gegründete Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten integriert.

Im April 2018 wurde die Dauerausstellung "Auf dem Görden. Die Strafanstalt Brandenburg im Nationalsozialismus (1933-1945) und in der DDR (1949-1990)" eröffnet. Ausstellungsort ist das denkmalgeschützte ehemalige Direktorenwohnhaus der Strafanstalt. Der Gedenkort an der ehemaligen Hinrichtungsstätte blieb weitgehend in seinem Erscheinungsbild unangetastet. Hinzugefügt wurden zwölf Biografiestelen von Hinrichtungsopfern und eine Projektion mit den Namen aller in Brandenburg-Görden Hingerichteten.

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