22/26: Sicherungsverwahrte Häftlinge stehen im Mittelpunkt des Gedenkens zum 81. Jahrestag der Befreiung des Zuchthauses Brandenburg-Görden am 26. April
20. April 2026
Nr.: 22/2026
Am Sonntag, 26. April 2026, um 13.30 Uhr findet eine Gedenkveranstaltung anlässlich der Befreiung der Gefangenen des Zuchthauses Brandenburg-Görden vor 81 Jahren statt. Im Mittelpunkt des Gedenkens werden die sicherungsverwahrten Häftlinge des Zuchthauses Brandenburg-Görden stehen. Neben dem brandenburgischen Minister der Justiz und für Digitales, Benjamin Grimm, wird Harald Graf, Enkel eines Sicherungsverwahrten im Zuchthaus Brandenburg-Görden, zu den Anwesenden sprechen.
Die Sicherungsverwahrung war am 1. Januar 1934 mit dem „Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher und über Maßregeln der Sicherung und Besserung“ eingeführt worden. Nun war es der NS-Justiz möglich, für Personen, die aufgrund einer hohen Zahl von Vorstrafen als „gefährliche Gewohnheitsbrecher“ galten, die Sicherungsverwahrung anzuordnen. Für die Betroffenen, die meist wegen wiederholter Diebstahls- oder Betrugsdelikte verurteilt worden waren, bedeutete dies, dass sie ohne zeitliche Befristung in Haft verbleiben mussten. Zwischen 1934 und 1943 verhängte die Justiz diese Maßregel in mehr als 15.000 Fällen. Ab 1936 diente auch das Zuchthaus Brandenburg-Görden als Sicherungsanstalt. Die Haftbedingungen der Verwahrten waren von unzureichender Ernährung, Zwangsarbeit und Hoffnungslosigkeit geprägt.
Ab Oktober 1942 gab das Zuchthaus in Brandenburg auf Grundlage einer Vereinbarung mit der SS über 1.000 zu Sicherungsverwahrung Verurteilte zur „Vernichtung durch Arbeit“ in Konzentrationslager ab. Einer der wenigen, der diese Auslieferung an das KZ-System schwer gezeichnet überlebte, war Karl Heile. Sein Enkel Harald Graf wird auf der Gedenkveranstaltung über das Leben seines Großvaters und dessen Kampf um Anerkennung als NS-Opfer sprechen.
Hintergrund
Seit 1946 wird alljährlich am historischen Ort an die Befreiung des Zuchthauses Brandenburg-Görden durch sowjetische Truppen am 27. April 1945 erinnert. Seit einigen Jahren sind die Gedenkveranstaltungen jeweils einem einzelnen Häftling oder einer Häftlingsgruppe gewidmet. In der Hinrichtungsstätte des Zuchthaus Brandenburg-Görden ließ die NS-Justiz zwischen 1940 und 1945 2032 Männer aus ganz Europa hinrichten. Viele andere Männer – kriminelle wie politische Häftlinge – waren in dieser Zeit unter unmenschlichen Bedingungen in dem Zuchthaus eingesperrt.
Sonntag, 26. April 2026, 13.30 Uhr
Gedenkveranstaltung anlässlich der Befreiung des Zuchthauses Brandenburg-Görden vor 81 Jahren
Begrüßung: Sylvia de Pasquale, Leiterin der Gedenkstätte
Ansprachen: Benjamin Grimm, Minister der Justiz und für Digitales des Landes Brandenburg
Harald Graf, Enkel des Sicherungsverwahrten Karl Heile
Kranzniederlegung
anschließend: Führung durch die Dauerausstellung der Gedenkstätte sowie Gespräche und Begegnungen bei Kaffee und Kuchen
Gedenkort in der JVA Brandenburg an der Havel
Anton-Saefkow-Allee 22
14772 Brandenburg an der Havel
Anmeldung erbeten unter anmeldung-brbastiftung-bgode oder 03381 7935113.
Information: www.brandenburg-zuchthaus-sbg.de
Kontakt:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz | 16515 Oranienburg | T +49 3301 810920
seferens(at)stiftung-bg.de | www.stiftung-sbg.de
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.